Der grüne Heinrich (Erste Fassung)

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Der grüne Heinrich (Erste Fassung)

Einer der bedeutendsten Bildungsromane der deutschen Literatur

Er heißt Heinrich Lee, und seinen Spitznamen verdankt er der Farbe seines Wamses – dem einzigen, das seine Mutter ihm kaufen kann. Nach dem frühen Tod des Vaters wächst er in ärmlichen Verhältnissen auf, umsorgt von einer treusorgenden Mutter, deren stille Aufopferung ihn ein Leben lang begleiten wird – und verfolgen. Heinrich träumt davon, Maler zu werden. Er träumt überhaupt viel. Und genau darin liegt sein Problem.

Statt nach der Natur zu malen, malt er phantastische Bilder. Statt klar zu entscheiden, schwankt er zwischen Phantasie und Wirklichkeit, zwischen der zarten, ätherischen Anna und der kräftig-sinnlichen Judith – zwei Frauen, zwei Welten, zwei Versprechen, die er nicht halten kann. Er bricht auf nach München, voller Hoffnung, und scheitert dort langsam, fast unmerklich, mit der ruhigen Konsequenz eines Lebens, das die falschen Weichen gestellt hat.

Die erste Fassung dieses Romans – subjektiv, „zypressendunkel“ und zeitkritisch – ist kühner und schroffer als die spätere, geglättete Version. Sie beginnt mit dem achtzehnährigen Heinrich, der nach München aufbricht, und erzählt dann rückgreifend seine Kindheit und Jugend – ein verschlungener Aufbau, der selbst etwas von Heinrichs Wesen hat: tastend, suchend, nie ganz im Reinen mit sich. Und sie endet ohne Versöhnung. Als Heinrich heimkommt, ist die Mutter gestorben. Die Sorge um ihn hatte sie zermürbt. Er kann weder im privaten noch im öffentlichen Leben Fuß fassen und geht zugrunde.

Keller wollte dieses Ende später tilgen – es war ihm zu dunkel, zu unversöhnlich. Doch die Nachwelt hat ihm nicht recht gegeben. Denn gerade in seiner Kompromisslosigkeit ist die erste Fassung das ehrlichere, tiefere Buch: ein großes, melancholisches Zeugnis über das Scheitern eines Träumers, über Schuld, Mutterlebe und die stille Tragödie eines Lebens, das nie ganz zu sich selbst gefunden hat.

Neben Goethes „Wilhelm Meister“ und Stifters „Nachsommer“ zählt „Der grüne Heinrich“ zu den bedeutendsten Bildungsromanen der deutschen Literatur – aber er ist der einzige, dessen Held am Ende wirklich verliert.

Ausgaben

eBookDigitalAktivBookwire eBookISBN 9783849618445
PrintPODAusgeliefertBookwire PODISBN 9783988684318