Emil oder über die Erziehung

Emil oder über die Erziehung.

“Emil oder über die Erziehung” ist das pädagogische Hauptwerk Jean-Jacques Rousseaus und stammt aus dem Jahr 1762. “Emil” ist ein Werk, welches zuerst die Teilnahme der französischen Welt auf die bisher gänzlich vernachlässigte Erziehung lenkte und auf alle späteren pädagogischen Systeme den wichtigsten Einfluss ausübte. Das Glaubensbekenntnis, das Rousseau dem Vikar in den Mund legt, wurde eine der Grundlagen jener deistischen Weltanschauung, welche in Frankreich zur Herrschaft kam und noch in dem Fest, das Robespierre dem “être suprème”, dem höchsten Wesen, feierte, einen großartigen volkstümlichen Ausdruck fand.

Emil oder über die Erziehung

Emil oder über die Erziehung

Format: Taschenbuch.

Emil oder über die Erziehung.

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Rezeption des Emil (aus Wikipedia):

Der Erzbischof von Paris Christophe de Beaumont griff den Émile scharf an; Rousseau wehrte sich mit einem langen Offenen Brief, der die Hauptaussagen bekräftigt und zugleich zusammen fasst:

„Solange der Mensch keine Vergleiche angestellt und seine Bezüge zu anderen völlig ignoriert hat, gibt es noch kein Gewissen. … Sobald die Menschen sich aber weiter entwickeln … richten sie ihre Augen auf ihresgleichen. Sie sehen dann ihre gegenseitigen Beziehungen, und auch die der Dinge untereinander. Dann greifen sie Auffassungen auf, die Übereinkommen, Gerechtigkeit und Ordnung bedeuten; sie entwickeln ein Gefühl für das moralisch Gute, und das Gewissen wird nach und nach in ihnen lebendig. Erst dann besitzen sie Tugenden; und selbst wenn sie weiter Laster haben, dann deshalb, weil ihre Interessen sich kreuzen und weil ihr Ehrgeiz erwacht ist, in dem Maße, wie ihre Erkenntnisse sich verbreiten.“
Rousseau beklagt, dass Beaumonts Polemik nur deshalb so wirksam ist, weil dieser über große Machtmittel verfügt, die beiden daher nicht auf gleicher Augenhöhe verhandeln:

„Wären Sie ein Privatmann wie ich, dann könnte ich Sie vor einen gerechten Richterstuhl laden. Wir würden uns beide dort einstellen, ich mit meinem Buch und Sie mit ihrem Hirtenbrief, und Sie würden sicherlich für schuldig erklärt und verurteilt werden. Aber Sie nehmen eine Stellung ein, in der man nicht gerecht zu sein braucht.“
Eine der dringlichsten Anliegen der französischen Regierungen nach der Revolution war die Reform des Bildungswesens und überhaupt die Schaffung eines Systems öffentlicher Schulen. Auf den ersten Blick erscheint es aber paradox, hierfür den Émile in Betracht zu ziehen, da dieser vielmehr eine Einzelerziehung fernab der Gesellschaft dargestellt hatte. Denn Rousseau hatte es als unmöglich angesehen, einen Menschen und einen Bürger gleichzeitig zu erziehen; man müsse zwischen beiden alternativen Erziehungszielen wählen. Dies kann auf dem Hintergrund der Überzeugung verstanden werden, dass für Rousseau zwischen dem moralischen Wesen des Individuums und dem öffentlichen Bereich der Politik eine untrennbare organische Verbindung besteht. Wenn Rousseau seinen Zögling von der Gesellschaft fernhält, dann also, weil diese nicht zu erneuern sei. Für die französischen Revolutionäre hingegen bedurfte die neue Gesellschaft allerdings eines neuen Menschen. Und so haben die seinerzeitigen Bildungsreformer und Pädagogen die Ideen und Vorstellungen des Émile aufgegriffen, obwohl diese sich auf eine völlig andere Situation bezogen hatten. Die rousseauistische Bildungstheorie stand hierbei in einem Wettstreit mit dem liberalen Projekt von Condorcet. Dass Rousseau schließlich zu einer mythischen Figur der französischen Revolution wurde, trug noch mehr dazu bei, dass er umso eifriger zitiert wurde und allerorten sich auf ihn berief. Eine genaue Lektüre der betreffenden Schriften zeigt indes, dass sich die unterschiedlichsten Lehrmeinungen auf den Émile beriefen, wobei es mitnichten als gesichert gelten darf, dass die betreffenden Autoren die Ideen Rousseaus, die der traditionellen Pädagogik gegenüber oft provozierend klingen mussten, in ihrer authentischen pädagogischen Bedeutung übernommen oder überhaupt völlig erfasst hatten.

 

(Der Text des letzten Abschnitts wurde der deutschen Wikipedia entnommen und ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar.)

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