Tristram Shandy

Tristram Shandy.

„Tristram Shandy“ ist zwischen 1759 und 1767 erschienen und ein Werk des Engländers Laurence Sterne. Der Ich-Erzähler Tristram Shandy erzählt dabei die Geschichte seines Lebens, allerdings nicht in der damals üblichen Form, sondern nicht stringent und ohne chronologische Anordnung.

Tristram Shandy

Tristram Shandy

Format: Taschenbuch.

Tristram Shandy.

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Inhalt und Stil des Tristram Shandy (aus Wikipedia):

Das Buch handelt nur in geringem Maß von der Person des Ich-Erzählers Tristram Shandy, dessen Geburt erst am Ende des 3. Bandes beschrieben wird. Hauptpersonen sind vielmehr sein Vater Walter Shandy und sein Onkel Toby. Weitere häufig auftretende Personen sind der Korporal Trim, der Pastor Yorick und der Arzt Dr. Slop. Der Roman spielt zwischen den Jahren 1689 (dem Eintritt Trims in die Armee) und 1766 (der Gegenwart beim Schreiben des neunten Bandes).

Beide Shandy-Brüder, Walter und Toby, zeichnen sich durch stereotype Verhaltensmuster aus. Der Landwirt und frühere Kaufmann Walter Shandy nimmt die Wechselfälle des Lebens philosophisch. Als sein älterer Sohn stirbt, trauert er nicht, sondern ergeht sich in philosophischen Betrachtungen. Auch die Ereignisse um Tristrams Geburt und Kindheit – die bei der Geburt eingedrückte Nase, die missglückte Namensgebung und die unbeabsichtigte Beschneidung, zum Anlass für ausführliche Erörterungen. „Er hat für nichts eine praktische Lösung, aber für alles eine Hypothese parat“. Unter anderem verfasste er die nach Tristram benannte Enzyklopädie Tristrapaedia, die aber unvollendet blieb. Toby Shandy, genannt „Onkel Toby“, ist ein ehemaliger Offizier, der im Schambereich verwundet wurde – bei der Belagerung von Namur (1695) – und aus dem Dienst ausscheiden musste. Sein Denken ist den Kriegserlebnissen verhaftet. Mit seinem treuen Begleiter Trim, ebenfalls ein Kriegsveteran, baut er Festungsanlagen nach und spielt vergangene und aktuelle Kriegsgeschehnisse nach. Mit seiner einfältigen, aber herzlichen Denkungsart unterscheidet sich Onkel Toby von seinem Bruder. Beide geben aber Anlass zu zahlreichen Anzüglichkeiten im Text.

Zwei Erzählsequenzen stehen neben vielen anderen Themen: die Geschehnisse rund um Tristrams Geburt sowie das hölzerne Steckenpferd Onkel Tobys und sein Werben um die Witwe Wadman. Der siebte Band steht außerhalb der übrigen Handlung und behandelt eine Reise Tristrams nach Frankreich und Italien.

Schon der Titel ist als Parodie lesbar, nämlich auf das Werk über Leben und Lehren berühmter Philosophen des griechischen Schriftstellers Diogenes Laertios. Verzichtet wird im Roman sowohl auf die chronologische Szenenfolge, die zu dieser Zeit weitgehend üblich war, als auch auf eine stringente Handlungsführung. Stattdessen werden abschweifende Assoziationen verfolgt und zugelassen und somit formale Innovationen der Avantgarde des 20. Jahrhunderts wie etwa den Bewusstseinsstrom vorweggenommen. In einer Umbruchszeit der Schriftstellerei, die mit der Industrialisierung und der Auflösung der poetischen Maßstäbe der französischen Klassik einhergeht, erscheint der Roman als Satire auf neue, sich erst entwickelnde Genres wie den Entwicklungsroman und die Autobiografie.

Der Roman arbeitet mit der Verschränkung unterschiedlicher Zeitebenen. So wird im 21. Kapitel des ersten Bandes ein Satz von Onkel Toby begonnen, der erst im sechsten Kapitel des zweiten Bandes fortgesetzt wird. Ein wesentlicher Teil der erzählten Zeit spielt vor der Geburt Tristrams und behandelt etwa die Problematik der Taufe des Kindes im Mutterleib (bei schwierigen und gefährlichen Geburten), die Auswirkung von Namen auf das Leben ihres Trägers und die geburtshelferischen Fähigkeiten der Hebamme beziehungsweise des Arztes. Ein weiterer Teil behandelt ein Steckenpferd des Vaters, die Nasenforschung, sowie die Notwendigkeit von Hobbys überhaupt. Der neunte Band des Romans spielt zeitlich vor dem ersten Band.

“… the machinery of my work is of a species by itself; two contrary motions are introduced into it, and reconcile, which were thought to be at variance with each other. In a word, my work is digressive and it is progressive, too,– and at the same time.”
„[Dieser Kunstgriff] macht die Maschinerie meines Werkes zu einer ganz eigentümlichen; sie erhält dadurch zwei entgegengesetzte Bewegungen, die sich doch wieder vereinigen, während man hätte glauben sollen, daß sie einander stören würden. Mit einem Wort, mein Werk schweift ab und kommt doch vorwärts – und zwar zu gleicher Zeit.“
– Tristram Shandy, Band I, Kapitel 22
Der Roman reflektiert sowohl seine eigene Wirkung auf den Leser als auch die Schreibmotivation und die Situation des Schreibenden. Darin ist er zugleich ein Vorreiter der später von August Wilhelm Schlegel als romantische Ironie bezeichneten Schreibweise. In seinem Werk Die Romantische Schule (geschrieben 1832/33) hebt auch Heinrich Heine diesen Roman als brillant und innovativ hervor.

Machado de Assis verwendet in seinen fiktiven Memoiren des Bras Cubas (1880) ähnliche Stilmittel wie Sterne im Tristram Shandy, was von der Bewunderung für dieses Buch außerhalb Englands zeugt – und zwar zu einer Zeit, als es dort durch die Brille einer viktorianischen Moral betrachtet als unanständig galt. Für die Literaturtheorie von Wiktor Schklowski und die russischen Formalisten wurde es ebenso bedeutend wie als Vorlage zahlreicher anderer Boufonnerien.

So gilt Tristram Shandy als Vorläufer der sogenannten experimentellen Literatur, in der das, was erzählt wird, mit der Art und Weise, wie erzählt wird, gleichberechtigt ist.

 

(Der Text des letzten Abschnitts wurde der deutschen Wikipedia entnommen und ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar.)

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3 Kommentare zu Tristram Shandy

  1. Gerhard Jäger sagt:

    Von wem ist eigentlich die Übersetzung? Oder habe ich da irgendwo etwas übersehen? Im E-Book finde ich jedenfalls nicht …

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